Typischer Tante Emma Laden

TANTE EMMA oder ONKEL IKEA?

Die aktuelle Wohn-Kolumne von Constanze Köpp – Connis Zimmerservice vom 09. Mai:

Tante Emma-Lädchen sind ausgestorben. Ein Stück Kindheit und Nostalgie um die Ecke, in denen es das kleine Naschglück für 5 Pfennige gab, mussten großen Ladenparadiesen weichen. Tante Emma weg. Pfennige weg. Leckmuscheln und Esspapier weg. Der nette Herr Huber vom Sesamstraßen-Kiosk – weg! Gefragt wurden wir nicht. Und vermissen tun wir sie alle – dank der Großen Einkaufshöllen – äh Hallen!

Aber sind die großen Läden wirklich Einkaufsparadiese? Wir schieben unsere Wagen durch die vollen Gänge, Stirn und Achselhöhlen schwitzen unterm Neonlichtermeer und müssen aufpassen, dass wir unseren Wagen noch wieder finden, wenn wir ihn nur ganz kurz aus den Augen ließen. Wir stöhnen, wenn wir zu den großen Läden fahren, wir fluchen, wenn es wieder Samstag ist, und doch – wir tun es. Aber Paradiese sind anders. Und ich kenne sie. Es sind die kleinen Lädchen, die Tante Emma auferstehen lassen. Ein paar Kerzen im Regal, ein paar Kochschürzen im Schaufenster, ein paar bunt gestrickte Topflappen auf dem Tresen. Und das Beste: eine Bedienung, in deren Fokus wir stehen, und die sich uns wirklich widmet. Die sich Zeit nimmt für uns. Die uns berät, betütelt und beliefert – mit Antworten, neuen Ideen und neuen Produkten.

Und wo finden wir diese Lädchen? Mitten in Hamburg, aber leider oft auch sehr versteckt.  Wir streifen sie, manchmal treten wir ein, manchmal bestaunen wir im hektischen Vorüber gerade mal die Auslage. Den Namen vergessen wir, denn er drängt sich uns nicht auf wie jener vieler großen Einkaufsketten.

Ich frage meine Freunde, wo sie gerne einkehren, wenn sie Zeit und Muße haben. Wo sie bereit sind, auch 2 € mehr zu zahlen für eine Kerze, die es nebenan in der Drogerie auf billig gibt. Ich frage sie, warum sie in die kleinen Läden gehen – und ich gehe mit allen Antworten d’accord: man schaut sich um, man klönt sich aus, man setzt sich hin. Und seit Neuestem gönnt man sich zum Abschluss noch eine Latte mit Karamellflavour. Man freut sich über die hübsche Tüte, in der sich neben nicht-Alltäglichem auch nicht-Alltägliche Tipps zum Leben finden. Und deshalb kommt man gerne wieder. Es ist wie beim Friseur, den man nicht wechselt, wenn man ihn gefunden hat. Wie die Faltencreme, die man nicht wechselt, nicht das Parfum, das andere zeitlebens mit dir verbinden.

Und hier die Liste jener Tante Emma-Stübchen, in denen es Traum- und Märchenhaftes für unsere Stuben und Gemüter gibt. Es sind jene Namen, an denen sich immerhin einige Freundinnen zu gern erinnern: „Milchmädchen Design“, Lehmweg / „Perle“, Weidenallee / „Eschenbach living“, Osterstraße / „herzallerliebst“, Lehmweg / „piazza“, Eppendorfer Landstrasse / „casita verde“, Heinrich-Barth-Straße,

Also, vergessen Sie die kleinen Lädchen um die Ecke nicht. Kehren Sie ein, fassen Sie an, staunen Sie und sprechen Sie. Und vergessen Sie nicht: hinter diesen kleinen Lädchen stecken Menschen mit Idealen. Mit Träumen. Mit der Freude, Ihnen eine kleine Freude in die Tasche zu stecken. Und dafür zahlt man manchmal gerne auch den Euro mehr!

Alle Ausgaben von „Connis Zimmerservice“ finden sich hier.

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