Folge 14: Weihnachten last Minute!

Jedes Jahr will ich nach Weihnachten schnell Schnäppchen kaufen. Tassen, Kugeln, Kordeln, Deko aller Art. Alles, was große Mutterherzen und kleine Geldbeutel höher schlagen lassen, gibt es on Sale. Und jedes Jahr gebe ich dem Vorsatz einen Korb. Und so stehe ich jedes Jahr zur Weihnachtszeit vor beinah leeren Weihnachtskisten im Keller und beneide meine Mutter, meine Omi, meine Freunde, die alle seit Jahren Wertvolles gesammelt haben, damit ihre Buden noch mehr glänzen als im Jahr zuvor. Gleichzeitig denke ich an einige meiner Kunden, die sich durch 20 volle Kisten wühlen müssen, und nur noch die Hälfte wirklich schick und charmig finden. Weihnachten last minute! Ich leide mit meinen Kindern, die sich vielleicht nicht an jene Weihnachten erinnern werden, wie ich sie als Kind noch erlebte. Die Stube duftete, der Ofen wurde belastet wie nie zuvor, die Ausstechförmchen hatten mehr als Dutzend Formen. Elterliche Kleiderschränke wurden heimlich durchwühlt, auf der Jagd nach ersten Blicken auf die Geschenke vom Weihnachtsmann-Assistenten.

Wir tranken aus Bechern mit aufgeklebten Porzellanflügeln, wachten mit Bing Crosby und Maria Callas auf und schliefen mit den Fischer Chören und Märchenkassetten friedlich ein. Und heute? 11 Monate hatte ich Zeit, mich vorzubereiten auf eine Zeit, die ich als Kind so liebte. 11 Monate, eine Stimmung, eine Atmosphäre zu schaffen, die eines Tages mit dem Hauch von Nostalgie in den Herzen meiner Töchter wohnen. Wer als Kind den Geschmack, den Duft, das Licht von Weihnachten nicht kennen lernte, wird es als Erwachsener nicht lieben. Ich kenne jene. Und ich habe Mitleid mit ihnen. Ostern ist zu kurz, der eigene Geburtstag auch. Weihnachten – da feiert die ganze Stadt mit dir. Und sie ertränkt die Straßen in Lichtmeere. Buden kleiden den Ort, Obdachlose betteln nach Brezeln und Bommerlunder und Gymnasiasten stimmen eilende Spaziergänger mit ihrer Klarinette auf die heiligen Tage ein. Pfefferkuchen – Walnüsse – Glühwein – Plätzchen – Duftkerzen – grünrotkarierte Servietten… im besten Falle Schneegstöber oben drein!

In weniger als einem Monat ist Weihnachten. Und drei Tage danach ist alles vorbei. Die Ente restet im Kühlschrank, die Korken des Champagners finden sich unterm Tannenbaum wieder und die Kinder spielen dann schon längst nicht mehr mit ihren neuen Sachen. Langeweile ist „in“! Zu meiner Zeit war natürlich alles ganz anders. Mir kullern gleich die Tränen, wenn ich an meine Püppi denken muss, die sogar Pipi machen konnte. Ich war den ganzen Tag lang Vollzeit-Mami, wenn auch allein erziehend, aber ich kam klar. Gab ja noch Oma und Opa! – Was könnte ich mich auslassen bis die Tastatur hier bricht, aber ich habe keine Zeit! Es ist Weihnachten last minute! Ich brauche für den Stollen hübsche Teller, für die Kerzen tolle Ständer, ich will noch eine Krippe mit Maria und klein Jesus. Ich brauche neuen Baumschmuck, vielleicht auch eine Kunstttanne. Ich will gern noch ein Wandtattoo für diese Zeit und Schnee zum Sprühen. Ich muss mich beeilen, denn auch die Geschenke liegen noch in den Geschäften. Ich will bleibende Produkte oder Dienstleistungen in Form von Erlebnis und Zweisamkeit. Ich brauche noch Goldspray für die Ente und große Engelsfedern für die Wände und die Speisetafel. Und mein Adventskranz? Er hängt noch nicht, die schwarzen Schleifen reichten nicht. Doch Fensterschnee, den habe ich! Weihnachten last minute! Im nächsten Jahr, das ist heut klar, da geh ich los schon im September. Aber heute ist heute und Weihnachten ist gefühlt in 1 Stunde. Ich muss um 23h abends noch schnell was kaufen. Danke für die virtuellen Boutiquen! Danke für diesen Shop.

Und Ihnen nun – und Ihren Kindern ganz besonders – ein glückliches Fest! Ein sinnliches, besinnliches und sinn-volles Fest! Schaffen Sie ein weihnachtliches Schlaraffenland. Es lohnt sich – allein, weil es einem ganz warm ums Herz wird, wenn man sich jedes Jahr erinnert, wie es früher mal gewesen. Vor und nachdem man erfuhr, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, aber Engel.

An dieser Stelle verabschiede ich mich jetzt von diesem Jahr. Und auch von Ihnen. Im neuen bin ich wieder da und freue mich, wenn Sie mich wieder lesen – und mir ab und zu mal schreiben.

Bis bald, Ihre Conni

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