Folge 10: Bleib mir treu

Männer müssen uns Frauen sehr lieben, denn sie haben wundervolle Dinge für uns erfunden: das Telefon! Die Waschmaschine! Den Fön! Und vieles andere auch. Und wir Frauen? Wir erfanden fortan den Haushalt einmal neu! Das war einmal. Und was ist heute? Heute ist so Vieles nicht mehr selbstverständlich. Die Monopolstellung am Herd ist verloren, wir teilen das Kochen, das Waschen, das Putzen plötzlich miteinander. Oder besser: jeder bedient sich selbst an den Maschinen. Frauen stellen ihren Männern keine Pantoffeln mehr hin, denn Mann trägt heute Socken von Joop oder gleitet barfuß wie Robinson Crusoe über sein Parkett. ?

Ich selbst bin nur hinein geboren in jene Zeit, in denen  es drei Lager gab: die Spießer, die Hippies und die Neureichen. Ich glaube, wir waren von allem etwas. Sonntags kamen die besten Freunde oder Nachbarn und auf der Kuchentafel stand das Porzellan von Villeroy & Boch mit floralem Muster. Darunter, steif gebügelt, die  Florentiner Spitzendecke aus Meran. Im Hintergrund spielte durch das offene Fenster eine leichte Brise mit der Goldkante von Ado. Der Plattenspieler von Technics spielte Schnulzen ab, die bis heute die senilsten Knochen vom Sofa hüpfen lassen, und der Kaffee kam aus der Maschine, die fast musikalisch brummte und zischte. Bei der Oma  roch es oft nach Weißer Riese oder 4711.  ?

Meine Mutter fuhr den VW Käfer, schnallte mich hinten nicht an und mein Vater ließ mich im alten Citroen auf der Armlehne während der Fahrt sitzen. Dazu rauchte er HB und klappte den Aschenbecher nicht mal zu. Damals – da kleidete man sich beim Tennis in Nike und hatte einen Schläger von Head. Boris Becker war jung und holte Generationen vom braunen Hülsta-Sofa runter, hin ans grüne Netz. ?Welche Dinge sind geblieben, welche mussten gehen? Welche Produkte standen einst für Prestige, heute aber für das Lebensgefühl von Generationen? Ich denke an die Isolierkanne von Stelton – die seit den 70ern weltweit 10 Mio. Mal über die Ladentheke gereicht wurde. Unsere war Weiß, dazu passende Becher. Uschis Eltern hatten zwei in Silber.? Heute finde ich sie kaum noch, warum ich aber besonders jene kleinen Cafés so liebe, in denen die Bedienung in weißer Bluse, schwarzem Rock, hautfarbener Strumpfhose mit Laufmaschen in schwarzen Omi-Sandaletten herum laufen. Sie wecken in mir die Nostalgie vergangener Tage. Einer Jugend, die sich für unsterblich hielt. Produkte aus jener Zeit? Kinderkassetten von Ernie und Bert und dem roten Klawitterbus. ?

Und genau dieses verloren gegangene Gefühl von Sentimentalität in einer hektischen Zeit, in der man selbst auf Restauranttoiletten Frauen Geschäfte über Black Berry machen hört, wollen Produkthersteller einfangen. DOVEs Kampagne PRO age statt ANTI age trug dazu bei. Skandinavische Marken wie z.B. Muuto oder Hay stehen zwar für Wandel, aber einer, der die nächsten Zeiten und Trends überleben will. Wir schmücken uns heute nicht mehr mit Dingen, die nur dienen, unseren Kontostand nach außen zu zeigen. Heute ist Gefühl, denn heute ist Wachstum – besonders in unseren Köpfen! Wir schreien nach Beständigkeit, die wir unter den Menschen kaum mehr finden. Und dafür stehen die Produkte. Ihnen verleiht man Seele oder Flügel – Red Bull hat es gezeigt! Wir brauchen Produkte, die allein UNSERE Sinne befriedigen, sich nicht mehr das neidende Stöhnen der Anderen erkämpfen. Wir holen uns China in unsere Räume, weil wir mit China Lebensgefühl, Weisheit und Spiritualität verbinden. Und auch zur deutschen Nordmanntanne passt der ferne Osten. ?

Schluss damit, Produkte zu kaufen, mit denen man keine Beziehung mehr auf Dauer  aufbauen kann. Lebensabschnittsgefährten sind zum traurigen Trend bis hin zur Gewissheit geworden, dass niemand mehr dem schnellen Wandel entkommen kann. Wir stecken mittendrin in diesem Strom. Aber eines kann uns vielleicht helfen, wieder mehr Muße zu erlangen: Produkte, die Spaß machen. Weil sie uns begleiten. Weil wir heute unsere heiße Ovomaltine aus ihnen trinken und dabei schon vor Augen haben, wie genau das auch unsere Enkel einmal tun werden. Produkte, an denen sich unsere Gemüter  erwärmen. Billig war gestern. Schnell auch. Heute ist Langlebigkeit. Und wenn wir das erst mit Produkten lernen müssen – bis es auf die Menschen untereinander übergreift, ist das auch okay. Werden wir wieder wählerischer. Nicht nur, was die Menschen in unseren Kreisen angeht – aber auch und auf alle Fälle, Produkte betreffend.

SOMMERPAUSE! Im August setze ich den Rotstift hier wieder an!

Bis bald, Ihre Conni

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