Folge 01: Kleine Räume

Ich kenne sie, die kleinen Räume aus der Praxis. Aber was lässt ein Zuhause klein erscheinen? Wann sind selbst scheinbar große Räume zu klein für die Bewohner? Gerümpel und Chaos sorgen immerhin für die nötige Enge. „Der kleinste Raum ist für ein liebend Paar noch viel zu groß“, schrieb einst Goethe. Recht hat er. Aber war er je in kleinen Räumen glücklich? Wenn ich im Einsatz bin, zaubere ich aus Balkonen einen Raum. Flure gestalte ich zu Galerien, aus Badezimmern verwandle ich das Drogerie-Flair zur Wellness-Atmo.

Auf Balkone stelle ich wetterbeständige Sessel, lege ein Schaffell drüber, besorge Balkongittergardinen aus Bast und stelle Windlichter auf. Selbst im Winter ist der Rückzug hier möglich, nachdem die letzte Bierkiste in einer Holztruhe verschwindet. Für Romantiker der ideale Platz zum Träumen, für alle anderen der ideale Platz, um Teint und Lunge Gutes zu tun. In Fluren verschwindet die unruhige Garderobe hinter Schiebegardinen oder wird ausgemistet. Was bleibt, darf aufgehängt uns von nostalgischen Garderobenhaken begrüßen.

Die Wände werden farblich neu gestaltet, vielleicht bekommt auch die Wand ein neues Kleid aus bestechender Tapete, auf ein XXL-Holzbrett gespannt. Oder die vielen Ahnen finden hinter alten Rahmen hier endlich eine letzte Ruhestätte. Vielleicht wird unterhalb der Decke auch ein Brett von Wand zu Wand gezogen (in der Tiefe, nicht Breite), darauf verschwindet in ansehnlichen Kartons oder Kisten, was nicht begrüßungstauglich ist. Im Bad wird endlich mal Gebrauch gemacht von Unterschränken, das neue Zuhause für Zahnputzbecher, Putzteufelchen, Schwämme & Co. Kuhvorhänge, bunte Saunalaken, Plastikseifenspender – alles landet irgendwo im Nirgendwo (in Blauen Säcken). Ein Bad ist heute mehr und mehr ein Wellness-Tempel. Bidets haben ausgedient, das Klo befindet sich oft nebenan. Manchmal wandert auch ein Kronleuchter unter die Decke und Bilder werden an die Wand gerahmt. Wie viele Handtücher braucht ein Mensch, dessen Waschmaschine ohnehin fast täglich ins Schleudern gerät? – Unterm Strich ist WENIG immer MEHR.

Weniger Chaos, weniger Arbeit. Mehr Fläche, mehr Raum und mehr Atmosphäre. Kleine Räume können sehr gemütlich sein. Auch Familien finden sich schneller wieder – aber eben nur, wenn ihr Zuhause auch einladend ist. Wie viel Kleidung braucht ein Mensch? Es ist nicht der Schrank, der zu klein ist, es ist der Inhalt, der zu viel ist. Misten Sie heute aus! Werfen Sie heute Ballast ab! Was brauchen Sie? Was finden Sie noch schön? Seien Sie nicht immer stolz auf Altbewährtes, lieben Sie lieber Auserwähltes. Kleine Räume – sie haben ihren Charme. Aber eben nur, wenn Atmosphäre dominiert und Fülle nicht (durch Arbeit) transpiriert! Wie groß ein Raum ist, wird nicht daran gemessen, wie viel Überflüssiges in ihn passt, sondern wie viel übrig bleibt vom eigentlichen Raum!

Danke, dass Sie mich gelesen haben. Und nächste Woche gibt es dann ein neues Thema aus der Welt des Wohnens!

Bis bald, Ihre Conni

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