BLAU oder ROSA?

Die neue Kolumne von Constanze Köpp:

Weder sind Männer ständig blau, noch heißen alle Frauen Rosa. Aber Klischees gibt es trotzdem. Und in Schubladen denken wir auch. Ich besonders, denn trotz einiger überraschender Ausnahmen, kommt es irgendwie immer hin. Nur manchmal biege ich es mir zurecht, damit ich Recht behalten darf.

Männer sind anders. Frauen so wie so. Und sie lieben anders, sie fühlen anders, sie denken anders. Sie versuchen einander zu verstehen, doch weder braucht der Mann in einer Frau die Männerversteherin, noch umgekehrt. Und so lieben sie einander trotz oder  wegen ihrer geheimnisvollen Art. Und sie wollen einander nicht gelüftet werden. Und so nehmen wir die kleinen großen, oft besonderen, oft anstrengenden Eigenarten des anderen Geschlechts auch gern in Kauf, solange wir auf besonderen Ebenen einfach besonders toll zusammen ticken. (Natürlich meine ich damit den Sex, die Leidenschaft und auch die Wochenmarktbesuche.) Doch wehe, beide Geschlechter wohnen auch zusammen, dann wird es spannend. Dann  ist es vorbei mit der Geheimhaltung schlechter Angewohnheiten, furchtbarer Manieren und unerklärlicher Phobien.

Nicht selten musste ich bei meinen Einsätzen zwischen Mann und Frau auch schlichten. Zwischen Rosa und Blau im wahrsten Sinne. Sie war ihm zu pink, er war ihr zu schwarz. Wie wundervoll Pink und – sagen wir Dunkelgrau – harmonieren, haben sie erst durch mich gelernt. Lernen müssen! Sie liebt es optisch, er eher praktisch. Ja und? Geht doch beides! Sie beklagte sich über den hochgeklappten Klodeckel, er über ihre zerlatschten Puschen mit Glitzerbommel. Seiner Meinung nach können auch Highheels bequem sein. „Die Beckham tut es doch auch!…“
Und Frühstück im Bett – wie lange ist es her? Er liebt es wegen der Lust am Morgen und  der Nähe zu ihrem Körper und den warmen Semmeln. Sie hingegen fürchtet die Brotkrümel, die ihren Rücken und die frische Bettwäsche zerpeelen. Und wie steht es mit Blumen? Sie liebt frische Sträuße, er hingegen würde auch aufblasbare Kakteen kaufen. „Der Jürgen tuts doch auch!“ – Ja, aber der ist Single. Und vielleicht wird er das auch bleiben!

Kleiderschränke – Frauen brauchen eben ein paar Meter mehr davon. Während Sie sich jeden Morgen über zu wenig oder zu falsche Garderobe beklagt, baut er sich kleine Bretter in seine einzige Schublade, damit sich Socken, Schlüpfer und Gürtel nicht miteinander verknoten. Betten machen – zu faul und zu müde sind am Morgen ja beide Geschlechter. Aber tut Er es, beklagt Sie sich, dass die Überdecke hier zu lang und dort zu kurz drappiert wurde. – Und der Abwasch? Er wirft gerne alles auf einmal ins Spülwasser, sie hingegen greift schön erst Gläser, dann Besteck, dann Töpfe. (Anm.: es gibt noch Menschen wie mich, die auf einen Geschirrspüler unfreiwillig verzichten). Es gibt so viele schöne Alltagsattitüden. Und ob Er die Zahnpastatube oben statt unten ausdrückt, kann egal sein, denn Er macht andere tolle Dinge, die Sie mit Sicherheit falsch machen würde: Regale anbohren, Staubsauger reparieren, Getränkekisten auf Schultern balancieren.

Wenn 2 Geschlechter zusammen wohnen, dann wohnen beide auch mit den Eigenheiten des anderen. Aber wie schön ist es doch, Fünfe auch mal gerade sein zu lassen, weil Ignorieren einfacher ist als Stress zu produzieren, wenngleich Stress auch für Kalorienabbau sorgt. Praktisch, optisch, optisch, praktisch: er kauft ein Basilikum-Töpfchen, sie stellt es in einen hübschen Übertopf. Fügt sich nicht beides wundervoll zusammen? Und nun ende ich hier, bevor mein Schubladen-Denken doch nicht mehr aufgeht. Und nächste Woche geht es mal darum, wie Menschen ihre Immobilien anbieten, dabei aber vergessen, dass das Auge doch auch mit-mietet!

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